Artikelübersicht
01.
02.
03.
04.
05.
06.
01.
Der freie Wille – Kausalität, Determinismus, Handlungsfreiheit
Wann ist ein Wille frei, was ist ein freier Wille?
1.
Zunächst:
Ein Wille ist dann frei, wenn er durch das Subjekt selbst verursacht wird.
Wenn also ich es bin, der etwas will.
Im Umkehrschluss wäre ein Wille dann nicht frei, wenn nicht ich die Ursache meines Willens wäre, sondern jemand oder etwas anderes steuern würde, was ich will.
Wenn ich also eine Marionette an unsichtbaren Fäden hängend wäre.
Ein unverursachter, daher rein zufälliger Wille, der nicht auf mich selbst zurück geht, wäre nicht mein Wille und damit wäre die Bezeichnung „frei“ nicht zutreffend.
2.
Aber:
Ein Wille kann durch mich verursacht, aber unbestimmt oder bestimmt sein.
Bestimmt bedeutet, dass man, wenn man die Gründe des Wollenden kennen würde, den Willen eines Menschen vorhersagen könnte.
Unbestimmt bedeutet, dass es keine Gründe dafür gibt, warum jemand etwas will.
Ein solcher Wille wäre in gewisser Hinsicht zufällig, da er zwar auf mich zurückzuführen aber nicht durch mein Selbst bedingt ist. Der Wille entsteht in mir, es gibt jedoch keine Grundsätze durch die der Wille bestimmt wird.
3.
Zusätzlich:
Wenn ich etwas will, aber an der Ausführung meines Willen gehindert werde, dann habe ich keine Handlungsfreiheit diesbezüglich.
Ein Beispiel wäre ein Kind, welches auf die Straße rennen will, aber von der Mutter aufgehalten wird – oder ein Verbrecher, dem man Handschellen anlegt.
4.
Folglich:
Ein unbestimmter Wille hätte zur Folge, dass man erstens selbst nicht einschätzen könnte, was man als nächstes will, und zum anderen, dass niemand anderes einschätzen könnte, was jemand will.
Ein bestimmter Wille hätte zur Folge, dass man in etwa einschätzen kann, was man will, und dass andere Menschen in etwa einschätzen können, was man will.
5.
Probleme:
Wenn der Wille unbestimmt wäre, dann gäbe es so etwas wie Charakter oder Wesen nicht – niemand könnte einen anderen Menschen kennen und man würde sich selbst auch nicht kennen.
Jemanden kennen bedeutet hier nicht, dass man immer weiß, was jemand will, aber doch in etwa einschätzen kann, was jemand will und wie er sich verhalten wird.
Wenn der Wille bestimmt ist, wie kann er dann trotzdem frei sein?
Dies erscheint zunächst widersprüchlich – ist es jedoch nicht, denn der Wille geht ja erstens auf mich selbst zurück und zweitens wird er bedingt durch meinen Charakter, daher durch bewusste und unbewusste Gründe meines Wollens.
6.
Unschärfe:
Der Mensch im Alltag handelt oft unbewusst oder nicht rational.
Wenn er unbewusst handelt, kann es sein, dass er seinen verinnerlichten Grundsätzen ohne großes Nachdenken folgt, oder dass er durch etwas anderes – z.B. Propaganda, Werbung oder andere Manipulationen – beeinflusst ist.
Wenn er bewusst handelt, dann kann es trotzdem sein, dass er irrational handelt, wenn er daher unvernünftig ist oder sich irrt.
Ebenso kann der Mensch durch seine Triebe, Schmerzen, Gefühle etc. beeinflusst sein.
Im Alltag ist der Mensch daher immer nur in einer Hinsicht frei, nämlich dahingehend, dass er keine völlig fremdgesteuerte Marionette ist.
Er ist aber nicht immer dahingehend frei, dass er nur das will, was seinem Charakter entspricht.
Es gibt hier also eine Unschärfe unseres Wollens, was dazu führt, dass es Abweichungen in unserem Verhalten gibt.
7.
Rekursiv:
Ich gehe im Weiteren davon aus, dass der Wille frei und durch das Wesen/den Charakter eines Menschen bestimmt ist.
Der Mensch ist wankelmütig, er trifft nicht immer die gleichen Entscheidungen, denn er lernt aus den Konsequenzen seiner Handlungen und er formt seinen Charakter.
Er wird also durch sein Wesen/seinen Charakter bestimmt und ist aber dennoch in der Lage, auch sein Wesen zu beinflussen.
Es gibt hier eine wechselseitige/rekursive Beziehung. Diese ermöglicht es dem Menschen, Grundsätze etc. zu verinnerlichen.
Das, was man verinnerlicht, bestimmt unser Wesen/unseren Charakter. Es ist daher im Leben von hoher Bedeutung innezuhalten und darüber nachzudenken, was für ein Mensch man sein möchte, und dann daran zu arbeiten, dass man sich entsprechend entscheidet/verhält und sich ändert.
8.
Erlösung:
Es ist wohl sicher, dass es im Himmel keine Sünde gibt. Weder die Menschen noch die Engel, die im Himmel sind, können noch sündigen. Dennoch sind sie keine Marionetten Gottes, denn dann würde der Verweis auf den freien Willen nirgends Sinn machen.
Damit aber etwas frei sein kann und dennoch keine Sünde begehen kann, muss es einen unveränderlichen Willen besitzen und dieser muss stets auf das Gute ausgerichtet sein.
Damit ein Mensch nur das Gute will, muss er zuvor vom Bösen gereinigt sein. Darin sehe ich die Gnade Gottes, dass er gemäß unserer Entscheidung uns vom Bösen in uns selbst befreit. Und das ist eine Härte für uns.
"Röm 7,18 Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen."
02.
Das Gesetz
Ohne Gesetz gäbe es kein von Gott unabhängiges Sein.
Sowohl Naturgesetz als auch moralisches Gesetz gehen zurück auf Gott.
Die Natur, die Materie lassen sich reduzieren auf Gesetze.
Für sich betrachtet haben Gesetze keinen Sinn oder Zweck. Man denke sich Gesetze, die sich auf sich selbst beziehen und nichts weiter.
Für das Bewusstsein haben die Gesetze einen Sinn, denn für das Bewusstsein bestimmen die Gesetze den Raum, in dem es wahrnehmen und handeln kann.
Ohne Gesetze gäbe es keine Tätigkeit, denn zur Tätigkeit gehört eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. Die Art der Beziehung muss bestimmt sein und damit steht ein Gesetz.
Von der Ewigkeit her gibt es nur ein Gesetz und der Heilsplan ist vollbracht.
In der Zeit hat der Heilsplan eine Geschichte. Mit Jesus kam die Gnade, die sich auf alles erstreckt, auf Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft.
Dem Gesetz nach sind wir alle Sünder. Wir bedürfen der Gnade, die nicht geschuldet, sondern gewährt wird, womit die Gnade nicht vom Mensch erwirkt, sondern von Gott gegeben wird.
Durch das Gesetz ist unsere Beschaffenheit, unsere Welt und die Art unserer Errettung bestimmt.
In Bezug auf Gott bleibt uns nur das Vertrauen darauf, dass durch Jesus die Erlösung gewährleistet ist.
Dies ist das Evangelium, daher die frohe Botschaft von der Erlösung.
03.
Die Sünde
Jeder Mensch ist ein Sünder. Die Menschheit ist eine Gemeinschaft der Sünder.
Der Mensch hat in dieser Welt gar nicht die Möglichkeit, nicht zu sündigen.
Wir sind geprägt durch die Sünden der Menschheit der Vergangenheit, denn wir übernehmen die Traumata der Familie, der nationalen und kulturellen Geschichte, die Vorurteile, die Irrtümer der Sitten, den Hass etc., und wir geben diese auch weiter an die Menschen, die nach uns kommen. Keine Familie, keine Gemeinschaft hat Bestand ohne kleine Lügen, ohne Priorisierung der Interessen auf Familie, Gemeinschaft und Nation.
Der Schrift nach soll des Menschen Rede sein:
"37 Eure Rede aber sei: Ja! Ja! Nein! Nein! Was darüber ist, das ist vom Übel."
(Matthäus 5,37)
Dies bedeutet, dass der Mensch nicht mehr behaupten soll, als er kann, aber auch, dass er wahrhaftig sein soll. Denn wenn er mit "Ja" oder "Nein" auf eine Frage antworten kann, dann soll er auch mit "Ja" oder "Nein" antworten und nicht mit Relativierungen oder Ausflüchten.
Wahrhaftigkeit ist eine stets unterschätzte Eigenschaft. Klar zu artikulieren, wo man steht, damit der andere weiß, warum jemand das sagt, was er sagt, und gleiches Maß anzulegen, daher nicht bigot zu sein - dies ist Ausdruck von Wahrhaftigkeit.
Daher, nicht zu schwören oder zu versprechen, sondern stattdessen die ehrliche Absicht des Bemühens fassen und artikulieren. Wir wissen wenig, aber behaupten dennoch Dinge. Wir sündigen fortwährend mit Wort und Tat und können dies auch nicht (völlig) vermeiden.
Jeder Mensch ist ein wenig eitel, ein wenig gierig, ein wenig triebhaft, es ist kein Mensch ohne Sünde, weder Maria, weder die Heiligen, noch die Apostel.
Es ist auch nicht gut für den Menschen, wenn er versucht, jede Sünde zu vermeiden. Besser ist es für den Menschen, wenn er danach strebt, das Gute zu tun.
Die Beschäftigung mit der Sünde ist schlecht, die Beschäftigung mit dem Guten ist gut.
Das Sakrament der Beichte hilft dem Menschen, mit der begangenen Sünde abzuschließen, damit er offen für die Beschäftigung mit dem Guten bleibt bzw. wird.
Kein Mensch kann wissen, ob er wirklich im Inneren gut ist, denn der Mensch kann seine Inneres nicht betrachten. Der innere Mensch ist uns verborgen.
Das Thema des inneren Menschen findet man bei Paulus, Tarkovsky und bei Fichte, vermutlich auch noch in anderen philosophischen Betrachtungen.
Bei Paulus finden wir:
"18 Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht.
19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
21 Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, (nur) das Böse vorhanden ist.
22 Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes.
23 Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? –
25 Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde."
(Römer 7,18)
Obwohl der Mensch sündigt, kann er dennoch das Gute anstreben. Dass wir also allzeit nicht resignieren, weil wir ja noch sündigen, sondern weiter nach dem Guten streben, ist das einzige, was wir tun können. Und das einzige, was wir wissen können, ist, dass die Gnade Gottes da übergroß ist, wo die Sünde übergroß ist.
Selbst wenn wir nicht wissen, ob wir das Gute seiner selbst wegen wollen, ist dies die einzige Möglichkeit des Menschen, den Heilsplan und Gottes Willen zu bejahen.
Die Frage, ob man das Gute deswegen tut, weil man sich dabei gut fühlt oder ob man es um seiner selbst willen tut, bringt den Menschen nicht weiter. Die Entscheidung für das Gute ist das, was getroffen werden soll bzw. muss.
Selbst wenn wir durch unseren Willen also nicht direkt sicherstellen können, dass wir damit das Heil erlangen, wir uns also nicht selbst erretten können, bleiben wir moralisch verpflichtet.
Die Unfähigkeit des Menschen, sein Heil selbst zu erwirken, da kein Mensch vor dem Gesetz als Gerechter bestehen kann, ist aber nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass wir auf Gottes Gnade vertrauen können, der uns erretten will.
"Röm 5,20 Das Gesetz aber ist hinzugekommen, damit die Übertretung mächtiger werde; wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden.
Röm 5,21 Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod führte, so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn."
(Römer 5,20)
Auf die Frage, wie denn überhaupt ein Mensch gerettet werden kann, wenn niemand gut ist außer Gott selbst, antwortet Jesus:
"24 Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als [dass] ein Reicher in das Reich Gottes [eingehe].
25 Als aber die Jünger es hörten, waren sie sehr erstaunt und sagten: Wer kann dann errettet werden?
26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich."
(Mathäus 19,24)
Im Grunde bedeutet dies auch, dass Jesus als unverklärter Mensch auch nicht gut war, denn dies verneint er ja hier selbst. Auch hätte er nicht in der Wüste versucht werden können, wenn er nicht grundsätzlich versuchbar gewesen wäre. Dass er sich nicht hat versuchen lassen, sondern den schmerzhaften Heilsweg bejaht hat, war seine freie Entscheidung.
04.
Die Sprache
Sprache ist eine Aneinanderreihung von Lauten.
Sie ist eine Form, in die wir unsere Gedanken fassen, sie ist aber auch eine Form, durch die wir diese Gedanken mitteilen.
Der Mensch denkt jedoch nicht immer in der Weise, wie er spricht oder schreibt, sondern nur, wenn er bewusst über eine Sache nachdenkt.
Bevor er über eine Sache nachdenkt, muss ihm diese durch einen inneren oder äußeren Anreiz bewusst werden.
Je nach zeitlichem Abstand der Aufeinanderfolge von Lauten, unterschiedlicher Betonung und Zusammensetzung derselben, kommt jedem Laut oder Lautgruppen eine andere Bedeutung zu.
Die Schrift besteht im Allgemeinen aus optischen und sensorischen (Blindenschrift) Symbolen. Diese Symbole stehen für Laute.
Vor dem Wort ist der Gedanke.
Oft haben wir einen Gedanken, der in sich abgeschlossen und stimmig erscheint. Wenn wir aber versuchen ihn niederzuschreiben oder auszusprechen, haben wir Schwierigkeiten, ihn befriedigend zu formulieren.
Als Gedanke in sich geschlossen, erscheint er uns nun ungenau und unstimmig.
Wir haben die Gedanken zunächst nicht in der Form von grammatikalischen Sätzen, sondern ungeformt, als Gebräu aus Un- , Halb- und Vollbewusstem, aber dennoch als ein in sich stimmiges Ganzes.
Das Bewusstsein erschöpft sich nicht in der Sprache, die Sprache ist ein Akt des Bewusstseins. Indem ein Gedanke nun sprachlich formuliert wird, verliert er an Geschlossenheit.
Der Gedanke entspringt den Untiefen der Fantasie, der Kreativität, der Intuition, dem Unbewussten.
Bevor er aus dem Dunklen emporsteigen kann, musste jedoch zuvor im Lichte des bewussten Denkens ein Anreiz gegeben worden sein.
Der Gedanke als Ganzes kann annäherungsweise vermittelt werden, wenn es gelingt, diesen dem Gesprächspartner durch Beschreibungen näherzubringen.
Die Aufgabe der Sprache liegt in der Vermittlung der Gedanken. Und die Kunst dieser Vermittlung ist die Rhetorik.
Vom moralischen Standpunkt aus betrachtet, sollte die Rhetorik nicht die Überzeugung oder Beeindruckung des Gesprächspartners zum Ziel haben, sondern die möglichst genaue und verständliche Übermittlung von Gedanken.
Der Gedanke wird formuliert zur Aussage, die Aussage wird formuliert in Sprache, aus der Sprache wird die Aussage herausgeformt, die Aussage soll den Gedanken erzeugen (nicht übertragen, dies wäre höchstens durch Telepathie möglich).
Jeder dieser Schritte kann nun eine Quelle von Fehlern und/oder von Irrtümern sein. Fehler können durch Unachtsamkeit und/oder Ungenauigkeit beim Formulieren, aber auch beim Herausformen entstehen, sie betreffen die Bildung der Form.
Irrtümer können durch Unachtsamkeit und/oder Ungenauigkeit bei der Interpretation entstehen, sie betreffen die Erfassung des Inhaltes.
Ein Satz hat eine Form und eine Bedeutung. Die Form eines Satzes wird durch die grammatikalischen Regeln festgelegt.
Die Form eines Satzes ist die Syntax. Entspricht die Syntax eines Satzes den grammatikalischen Regeln, so ist der Satz richtig formuliert, entspricht sie diesen nicht, so ist er falsch formuliert.
Die Bedeutung eines Satzes ist die Aussage. Die Aussage eines Satzes ist immer entweder wahr oder unwahr.
Jede Aussage beansprucht für sich, wahr zu sein - selbst die des Lügners: er will, dass ihm geglaubt wird, obwohl er die Unwahrheit seiner Aussage kennt.
Wahrheit selbst lässt sich nicht definieren - jede Definition derselben setzt bereits voraus, was erst bewiesen werden soll.
05.
Das Gewissen
Jeder Mensch erfährt das Gewissen als etwas aus seinem Inneren.
Durch den freien Willen hat der Mensch eine Autonomie innerhalb des gesellschaftlichen und natürlichen Rahmens.Ohne Offenbarung wäre die Bestimmung des Menschen nun die Selbstverwirklichung des inneren und guten Menschens.
Mit Offenbarung weiß der Mensch, dass seine Bestimmung über das Gewissen hinweg, die Harmonie mit Gott ist.Gottes Gesetz und der Willen des inneren Menschen sind eins.
Das der inneren Freiheit des Menschen jedoch die äußere Bindung an die Welt entgegengesetzt ist, bedarf er der Erlösung durch die Gnade.Es gibt ein äußeres Gesetz Gottes, welches die Naturgesetze sind und ein inneres Gesetz, welches die Gebote sind.
Da diese Gebote unbedingt gelten, kann der Mensch in dieser Welt die Sünde nicht vermeiden. Er muss abwägen, welche Sünde schwerer wiegt.
Damit eine uneingeschränktte Befolgung des Gewissens möglich ist, bedarf es nämlich zweierlei: Eine andere Welt und einen anderen Menschen
06.
Bewusstsein & KI
Ob andere Menschen ein Bewusstsein haben und ob wir anderen Lebewesen wie Tieren und Pflanzen ebenfalls ein Bewusstsein zugestehen, hängt von der Kultur ab.
Die Zuweisung eines Bewusstseins basiert dabei auf einem Analogie-Schluss – man geht davon aus, dass etwas ein Bewusstsein hat, weil es sich analog zu einem selbst verhält.
Selbst etwas, was sich nicht direkt analog zu uns verhält, jedoch eine hinreichende Ähnlichkeit besitzt, kann im Zuge eines gesellschaftlichen Prozesses als Bewusstsein anerkannt werden.
Bei der KI wird dies aber nicht unbedingt der Fall sein, weil es kulturelle Strömungen in der Gesellschaft gibt, welche die Vorstellung, dass ein „Toaster“ wirklich ein Bewusstsein haben könnte, für grundsätzlich absurd halten.
Es ergeben sich aber auch andere Probleme bezüglich der starken KI.
Um Bewusstsein künstlich schaffen zu können, müsste man erst einmal wissen, wie es entsteht.
Da gibt es nur wenig erfolgversprechende Ansätze:
1.
EMERGENZ
Wenn man eine bestimmte Komplexität eines Computersystems erreicht, dann bildet sich Bewusstsein, wobei sich das Bewusstsein dann nicht auf die Eigenschaften der Einzelkomponenten und physikalische Gesetzmäßigkeiten zurückführen lässt. Quasi eine „magische“ Schöpfung etwas gänzlich Neuem und Anderem, durch eine hinreichend ähnliche Anordnung verschiedener Komponenten.
Das hat dann etwas von Alchemie und Signaturenlehre.
Dies setzt aber voraus, dass ich Bewusstsein nicht durch Simulation schaffen will, daher nicht durch Nachahmung eines Verhaltens, sondern durch Nachahmung der Beschaffenheit! Gelänge dies jedoch, so wäre dies der überzeugendste Nachweis für die Möglichkeit, Bewusstsein künstlich schaffen zu können.
Trotzdem wenig wahrscheinlich.
2.
ELIMINATIVISMUS
Die starke KI existiert bereits jetzt, schon ein Thermometer besitzt dieses in Ansätzen. Bewusstsein ist dann nur ein Begriff für ein autonom interagierendes System. Wenn sich Computer so verhalten, als hätten sie ein Bewusstsein, dann haben sie auch eines.
3.
REDUKTIVER PHYSIKALISMUS
Eine reduktive Herleitung des Bewusstseins ist bisher nicht gelungen und es ist bisher auch noch nicht einmal denkbar, wie diese gelingen soll (Qualia-Problematik).
Weiß man, wie Bewusstsein entsteht, kann man es eventuell auch künstlich hervorrufen, wobei man dies im Sinne eines wissenschaftlichen Nachweises gar nicht wissen kann, da es sich um eine philosophische Deutung handelt.
Wie die Prämisse, so fällt dann der Schluss aus.
Rechtliches
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Text
Was Glaube ist, wird im neuen Testament an lediglich einer Stelle definiert:Hebräer 11,1: „Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.“(Elberfelder Bibel)Im weiteren wird der Glaube oft durch seine Auswirkungen gekennzeichnet:Jakobus 2,17: „So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.“ (Der Glauben ist untrennbar mit dem Handeln verbunden)Galater 5,6: „...der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“
(Das Handeln des Glaubens ist tätige Liebe)Hebräer 11,6 „Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.“ (Ohne Glauben keine Verbindung zun Gott)Paulus (z. B. Römer & Galater) betont, dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht wird, während Jakobus (Jakobusbrief) schreibt, dass der Glaube ohne Werke tot ist.Paulus kämpfte in seinen Briefen (besonders im Römer- und Galaterbrief) gegen die Ansicht, dass man jüdische Gesetze und Rituale (wie die Beschneidung) einhalten muss, um von Gott angenommen zu werden.Für Paulus ist Glaube (pistis) kein bloßes für wahr halten, sondern sich ganz auf das Opfer Jesus am Kreuzu zu verlassen:
„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Römer 3,28)Gute Werke sind für Paulus die Folge der Rettung, nicht die Voraussetzung.Für Jakobus zeigt sich der Glaube in der gelebte Tat.
Jakobus schreibt an Christen, die bereits an Jesus glaubten, sich aber theologisch darauf ausruhten. Sie dachten: „Ich glaube ja, also muss ich mein Leben nicht ändern.“Jakobus kritisiert einen „Glauben“, der nur aus Lippenbekenntnissen und dem richtigen Aufsagen von Glaubenssätzen besteht aber selbst die Dämonen glauben, dass es nur einen Gott gibt – und zittern (Jakobus 2,19). Das rettet sie aber nicht. Glaube muss sich in der Tat verwirklichen: „Willst du aber einsehen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?“ (Jakobus 2,20)Ein Glaube, der das Leben eines Menschen nicht verändert, ist kein gelebter Glaube. Er ist „tot“. Gute Werke sind für Jakobus der Beweis für den rechten Glauben.Paulus sagt: Du wirst nicht durch gute Taten gerettet, sondern nur durch Vertrauen auf Gott.
Jakobus sagt: Wenn du wirklich vertraust, wird man das an deinen Taten sehen.Es scheint also zunächst klar zu sein: Erst muss der Glaube sein, dann soll die gute Tat folgen.Wie kann man aber an Gott glauben, wenn man ihn nicht kennt oder muss man ihn erst kennen, um an ihn zu glauben?Augustinus beantworte die Frage so "Ich glaube, um zu verstehen." Man muss Gott nicht kennen um ihn zu verstehen, da man Gott nicht fassen kann, sondern sich nur in der Glaubensbeziehung zu ihm annähern kann.Ich denke, dass man diese Frage aber auch so angehen kann:
Wer an Wahrheit und Liebe glaubt, glaubt an Eigenschaften, die das Wesen Gottes bilden.
Das Neue Testament setzt diese Werte sogar direkt mit Gott gleich.Gott ist Liebe:
In 1. Johannes 4,16 heißt es: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.Gott ist Wahrheit:
Jesus sagt von sich selbst in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“Wenn man also an diese Werte glaubt, glaubt man an das, was Gott ausmacht und an das, was von ihm kommt.Wie gelangt man nun von der Liebe zu diesen abstrakten Dingen zu einer personellen Beziehung zu Gott?Zunächst:
Das Neue Testament – und besonders der Apostel Paulus im Brief an die Römer, Kapitel 2 – äußert sich überraschend differenziert und wertschätzend über Menschen, die Gott (oder das jüdische Gesetz) nicht kennen, aber dennoch moralisch gut handeln.Das „Gesetz im Herzen“
(Römer 2,14-16)In Römer 2 beschreibt Paulus, dass Menschen, die die biblischen Gebote überhaupt nicht kennen, oft ganz intuitiv das Richtige tun.
Er erklärt das mit dem menschlichen Gewissen: „Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen damit, dass das Werk des Gesetzes in ihr Herz geschrieben ist; ihr Gewissen bezeugt es ihnen auch, dazu ihre Gedanken, die sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen...“ (Römer 2,14-15)Daher:
Gott hat sich in jeden Menschen "hineingelegt". Auch wer noch nie eine Bibel gelesen hat, besitzt dennoch ein Gewissen.Folglich:
Wenn Menschen dem Gewissen folgen, der Liebe und der Wahrheit folgen, tun sie genau das, was Gott von uns erwartet:
„Denn vor Gott sind nicht die gerecht, die das Gesetz hören, sondern die das Gesetz tun, werden gerecht gesprochen werden.“
Römer 2,26:
Wenn also ein „Unbeschnittener“ (ein Nicht-Gläubiger) die moralischen Forderungen des Gesetzes erfüllt, zählt das vor Gott mehr als das bloße Lippenbekenntnis eines religiösen Menschen.Dies wird auch im Gleichnis vom Weltgericht deutlich (Matthäus 25,31-46): Jesus beschreibt dort, dass am Ende der Zeiten Menschen gerettet werden, die Hungrige gespeist und Fremde aufgenommen haben.
Diese Menschen wussten gar nicht, dass sie damit Gott gedient haben. Sie fragen Jesus erstaunt: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben?“ Jesus antwortet: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
Gutes Tun an Mitmenschen wird hier mit dem Dienst an Gott gleichgesetzt.Desweitern die Rede auf dem Areopag (Apostelgeschichte 17,22-28): Paulus spricht in Athen zu Menschen, die an viele griechische Götter glauben.
Er lobt ihre Sehnsucht nach dem Göttlichen und sagt, dass Gott jedem Menschen das Leben gibt, damit sie ihn suchen, „ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden von uns.“Schließlich also:
Menschen, die Gott nicht kennen, aber das Gute und die Liebe leben, handeln nach dem Willen Gottes, weil Gott die Quelle dieses Guten ist. Ihr Gewissen und ihre Taten zeigen, dass Gottes Geist in ihnen wirkt, selbst wenn sie (noch) keinen Namen für ihn haben.Hier verorte ich auch das Konzept des „anonymen Christen“ des katholischen Theologen Karl Rahner.
Rahner argumentierte, dass Gottes Gnade und Liebe universell sind. Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden (1. Timotheus 2,4). Wenn nun ein Mensch – egal ob Buddhist, Atheist oder Agnostiker – sein Leben in aufrichtiger Liebe, Aufopferung für andere und im Hören auf sein Gewissen lebt, dann nimmt er in diesem Handeln (oft unbewusst) Gottes Gnade an.Dieser Mensch lebt dann bereits in einer tiefen Beziehung zu Gott, auch wenn er es selbst nicht so nennt. Er ist „anonym“ (unerkannt) ein Christ, weil in ihm der Geist Christi wirkt.Rahner berief sich dabei stark auf das bereits erwähnte Gleichnis vom Weltgericht, in dem Menschen von Jesus gerettet werden, die überrascht fragen: „Herr, wann haben wir dich speisen sehen?“ Sie waren Christen, ohne es zu wissen.
Der anonyme Christ lebt jedoch in einem Zustand des Suchens und Ahnens. Durch die Offenbarung wird diese Sehnsucht Jesus Christus erfüllt.Im Lumen Gentium (Art. 16) wurde dieser Gedanke festgehalten:„Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber von herzen sucht und seinen durch das Diktat des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in den Taten zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen.Für christliche Mystiker (wie Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz oder Teresa von Ávila) war der Glaube an Gott niemals eine bloßes Fürwahrhalten von Dogmen.
Aus Sicht der Mystik glaubt ein Mensch dann an Gott, wenn er Gott im eigenen Inneren unmittelbar erfährt und damit mit ihm eins wird.
Die Mystiker heben die Trennung zwischen dem „Glauben an das Gute“ und dem „Glauben an Gott“ gänzlich auf. Der Mystiker Meister Eckhart (1260–1328) lehrte, dass im tiefsten Inneren der menschlichen Seele ein „Fünklein“ oder der „Seelengrund“ existiert. Dieser Grund ist unerschaffen und eins mit Gott.Wann glaubt man?
Jemand glaubt nicht erst dann an Gott, wenn er ein religiöses Buch liest, sondern wenn er in die Stille geht, sich von seinem Ego freimacht („Gelassenheit“) und diesen göttlichen Funken in sich selbst entdeckt.
Gott gebiert sich im Menschen: Für Eckhart ist der Glaube ein lebendiger, innerer Prozess, bei dem Gott im Menschen geboren wird. Wer die Liebe lebt, lässt Gott durch sich handeln.Wenn ein Mensch bedingungslose Liebe, tiefe Wahrheit oder echte Gerechtigkeit erfährt und lebt, dann berührt er bereits Gott.Die Mystik sagt: Die Liebe ist nicht bloß eine Eigenschaft Gottes – Gott ist das Ereignis der Liebe selbst. Wer also radikal der Wahrheit und der Liebe folgt, praktiziert bereits den tiefsten mystischen Glauben, selbst wenn sein Verstand noch an der Existenz eines traditionellen „Gottesbildes“ zweifelt.Nachdem Mystiker Johannes vom Kreuz (1542–1591) führt der Reifeprozess des Glaubens oft durch eine Phase, die er die „Dunkle Nacht der Seele“ bezeivhnete.
In dieser Phase verliert ein Mensch alle seine bisherigen Vorstellungen von Gott. Die alten Dogmen, Gebete und Bilder fühlen sich plötzlich leer an.Dieser Zustand ist dann aber kein Unglaube, sondern ein neues Stadium des Glaubens.
Erst wenn der Mensch seine menschengemachten Bilder von Gott loslässt (die ihn oft nur einengen), wird er frei für die tatsächliche, unbegreifliche Gegenwart Gottes.Es glaubt demnach bereits jener an Gott, der sein oberflächiges Ich überwindet und sich für die unendliche Liebe öffnet.Dies ist eine Annäherung an das, was was Paulus als den inneren Menschen bezeichnet.
Es ist schwierig zu sagen, ob eine Rettung aller Menschen (auch bekannt als Allversöhnung oder Apokatastasis) mit der Schrift begründbar ist.Es gibt sowohl Verse, die eine allumfassende Rettung andeuten, als auch Verse, die von einer endgültigen Trennung (Gericht/Verdammnis) sprechen.Zunächst einmal eine Übersicht über Bibelstelen die dafür und solche, die gegen eine Apokatastasis sprechen.Für eine Rettung aller:
1. Timotheus 2,3-4:
„Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Retter, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Da Gott allmächtig ist und will, dass alle gerettet werden, wird er am Ende auch alle retten.Römer 5,18: „Wie es nun durch die Übertretung des Einen [Adam] für alle Menschen zur Verdammnis kam, so kommt es auch durch die Gerechtigkeit des Einen [Christus] für alle Menschen zur Rechtfertigung, die Leben gibt.“Korinther 15,22: „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus auch alle lebendig gemacht werden.“Johannes 2,2: „Und er ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“Philipper 2,10-11: „...damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge [...] und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“Gegen eine Rettung aller:Johannes 14,6: „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“Markus 16,16: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“Matthäus 25,46 (Das Gleichnis von den Schafen und Böcken): „Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.“Offenbarung 20,15 (Das Endgericht): „Und wenn jemand nicht gefunden wurde geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl.Da sich diese Verse scheinbar widersprechen, gibt es im Christentum drei verschiedene Sichtweisen.Die exklusive Sicht (Partikularismus): Gott bietet die Rettung zwar allen an (1. Joh 2,2), aber sie wird nur für die wirksam, die im irdischen Leben bewusst an Jesus glauben. Die Warnungen vor der Verdammnis werden wörtlich genommen.Die Allversöhnung (Universalismus): Die Verse über die universelle Rettung zeigen Gottes endgültigen Sieg. Die Gerichtstexte werden nicht als „ewige Verdammnis“ interpretiert, sondern als ein reinigendes, zeitlich begrenztes Gericht (ähnlich einem Läuterungsfeuer), nach dem am Ende jeder Mensch zu Gott findet.Die „Hoffnung für alle“ (z. B. Karl Barth / Hans Urs von Balthasar): Diese Theologen sagen: Wir können es nicht dogmatisch beweisen, weil die Bibel beide Linien enthält. Aber wir dürfen und sollen darauf hoffen und dafür beten, dass Gottes Liebe am Ende so groß ist, dass er jeden Menschen rettet.Gewichtig ist dabei wie das altgriechische Wort „aiōnios“ (αἰώνιος) übersetzt/ausgelegt wird.Je nachdem, wie man dieses eine Wort übersetzt, ändert sich auch das biblische Bild vom Jenseits.In den meisten Bibelübersetzungen wird aiōnios pauschal mit „ewig“ übersetzt (im Sinne von unendlich, zeitlos, niemals endend).Sprachwissenschaftlich und im historischen Kontext des Neuen Testaments hat das Wort jedoch eine viel nuanciertere Bedeutung.Die Herkunft des Wortes: Der „Äon“aiōnios ist das Adjektiv zum Substantiv aiōn (αἰών). Ein Aiōn bedeutet im Griechischen „Zeitalter“, „Epoche“ oder „Lebensspanne“ – also ein Zeitraum, der einen klaren Anfang und ein klares Ende hat.Wird das Adjektiv aiōnios streng von seiner Wurzel her übersetzt, bedeutet es nicht „unendlich“, sondern:„ein Zeitalter dauernd“Wenn man aiōnios mit „zeitalterlich“ oder „das kommende Zeitalter betreffend“ übersetzt, dann lessen sich die Bibelstellen wie folgt:Matthäus 25,46 (Standard): „Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.“Matthäus 25,46 (Wörtlich nach dem Äonen-Verständnis): „Und sie werden hingehen zur Strafe/Züchtigung des kommenden Zeitalters, die Gerechten aber in das Leben des kommenden Zeitalters.Eine Strafe des kommenden Zeitalters hat ein Ende, sobald dieses Zeitalter vorbei ist.
Zudem steht im Griechischen für „Strafe“ das Wort kolasis, was historisch eine „Züchtigung zur Besserung“ (wie das Beschneiden eines Baumes, damit er besser wächst) bezeichnete und keine reine Vergeltung ohne Zweck.Jedoch:
Das Wort aiōnios wird im selben Satz sowohl für die Strafe als auch für das Leben verwendet.
Wenn die Strafe der Gottlosen nicht unendlich ist, weil aiōnios nur ein Zeitalter meint, müsste dann nicht folglich auch das Leben der Geretteten irgendwann enden?Allerdings:
Das „Leben des kommenden Zeitalters“ bezieht seine Unendlichkeit nicht aus dem Wort aiōnios, sondern daraus, dass es das Leben Gottes selbst ist – und Gott ist laut anderen Bibelstellen unvergänglich. Das Wort beschreibt hier also eher die Qualität (göttliches Leben) als die bloße Quantität (Dauer).Das Gericht Gottes ist dann ein formender bzw. erzieherischer Akt, ein reinigender Prozess, der zwar schmerzhaft ist und ein ganzes Zeitalter dauern kann (aiōnios), aber letztlich das Ziel hat, den Menschen zu läutern und zu Gott zurückzuführen.Irenäus von Lyon (ca. 130–202 n. Chr.), ein Kirchenvater der frühen Kirche und Schüler von Polycarp, der wiederum direkt vom Apostel Johannes ausgebildet worden war, sah dies so:Kosmische Wiederherstellung (Rekapitulation)
Irenäus entwickelte die sogenannte Rekapitulationstheorie (Anakephalaiosis). Er war davon überzeugt, dass Jesus Christus die gesamte Menschheitsgeschichte und die Schöpfung „von hinten aufgerollt“ und geheilt hat.Der neue Adam: Was der erste Adam durch Ungehorsam und Sünde zerstört hat, hat Jesus als „neuer Adam“ in seinem Gehorsam bis zum Kreuz neu durchlebt und damit die Beziehung zu Gott wiederhergestellt.Da Gott die materielle Welt gut erschaffen hat, glaubte Irenäus, dass Christus am Ende alles in sich zusammenfassen und erneuern wird.Das Böse als Reifeprozess (Irenäische Theodizee)Irenäus hatte eine sehr fortschrittliche Antwort auf die Frage, warum ein guter Gott das Böse zulässt.
Er argumentierte, dass der Mensch nicht perfekt, sondern als eine Art „spirituelles Kind“ geschaffen wurde, das erst wachsen muss.
Notwendigkeit des Guten und Bösen: Um wirklich gut zu werden, muss der Mensch den freien Willen haben und den Unterschied zwischen Gut und Böse aus eigener Erfahrung lernen.
Das Leid und die Welt sind für ihn wie eine „Schule der Seele“, in der der Mensch lernt, Gott aus freiem Stücken zu lieben und in sein Bild hineinzureifen.
Wie sah er nun die Hölle und das Gericht?Hier gibt es unter Historikern eine spannende Diskussion darüber, wie man seine Schriften (Gegen die Häresien) interpretieren muss:Traditionelle Sicht: An einigen Stellen benutzt er die biblische Sprache und spricht davon, dass die Gottlosen in das „ewige Feuer“ geworfen werden.
Bedingte Unsterblichkeit (Annihilationismus): Viele Patristik-Experten lesen Irenäus heute so, dass er an die konditionale Unsterblichkeit glaubte. Er schrieb, dass die Seele nicht von Natur aus unsterblich ist, sondern dass Unsterblichkeit ein Geschenk Gottes ist.
Wer sich dauerhaft vom Guten und von Gott abwendet, existiert nicht ewig in Qualen weiter, sondern hört irgendwann einfach auf zu existieren (er vergeht).
Hölle als Quarantäne: Er sah den Ausschluss aus dem Paradies sogar als einen Akt der Barmherzigkeit Gottes: Gott verhinderte damit, dass die Sünde und das Böse des Menschen unsterblich wurden.
Das Gericht dient demnach dazu, das Böse zu stoppen.
nn die Schule der Seele auf der Erde nicht abgeschlossen werden konnte, muss der Reifeprozess – und damit der Weg zum Guten und zu Gott – im Jenseits für jeden Menschen weitergehen.
1. Die zwei Stufen des Menschseins
Nach der irenäischen Sichtweise erschafft Gott den Menschen nicht als fertiges, perfektes Wesen, sondern in zwei Phasen:
Stufe 1 (Bild Gottes): Der Mensch wird als biologisches, intelligentes Wesen mit freiem Willen erschaffen. Er ist aber moralisch und spirituell noch unreif – wie ein Kind.
Stufe 2 (Gleichnis Gottes): Der Mensch muss sich durch eigene Entscheidungen, Prüfungen und Erfahrungen in das moralische Ebenbild Gottes hineinentwickeln.
2. Warum das Leid philosophisch „notwendig“ ist
Die moderne Philosophie nutzt Irenäus, um zu erklären, dass eine perfekte Welt ohne Leid die moralische Entwicklung des Menschen völlig unmöglich machen würde:Keine Tugend ohne Herausforderung: In einer Welt, in der niemand verletzt werden kann, gibt es keinen Grund für Mut. Wenn es keinen Hunger gibt, kann man keine Großzügigkeit oder Opferbereitschaft zeigen.
Wenn niemand leidet, ist Mitgefühl unmöglich.Die Welt als Schule: Die Erde ist kein „Paradies der Bequemlichkeit“ (Hick nennt es ein hedonistisches Paradies), sondern eine moralische Trainingsstätte. Das Leid ist das Reibungsmaterial, an dem unsere Seele wächst.
3. Der Begriff der „epistemischen Distanz“Ein wichtiger moderner Beitrag zu dieser Theorie ist das Konzept der epistemischen Distanz (Erkenntnis-Abstand).
Damit der Mensch wirklich die freie Wahl hat, gut zu sein, darf Gottes Existenz nicht absolut unumstößlich bewiesen sein.
Wäre Gott für jeden Menschen physisch sichtbar und seine Macht allgegenwärtig, würden wir das Gute nur aus Angst vor Strafe oder egoistischer Berechnung tun.
Gott hält sich bewusst im Hintergrund, damit der Mensch Raum hat, aus freiem Willen und echter Liebe zum Guten zu handeln.Kritik an der Irenäischen Theodizee in der modernen PhilosophieObwohl die Theorie sehr elegant erklärt, warum eine unperfekte Welt einen Sinn haben kann, steht sie heute vor allem wegen zwei Punkten in der Kritik:
Das Ausmaß des Leids (Die Quantität): Kritiker sagen: Ja, ein Kind lernt aus Fehlern und kleinen Schmerzen. Aber braucht es wirklich den Holocaust, Hungersnöte oder den Krebstod von Kleinkindern, um Seelen zu bilden? Zerstört extremes Leid die Seele nicht oft, anstatt sie reifen zu lassen?
Die ungleiche Verteilung: Manche Menschen führen ein behütetes Leben und haben ideale Bedingungen zur Seelenbildung. Andere sterben jung oder erleben Traumata, die sie brechen. Das wirkt ungerecht für ein System, das angeblich der Entwicklung aller dienen soll
.Brücke zur Allversöhnung: Weil die Kritikpunkte (besonders, dass viele Menschen im irdischen Leben am Leid zerbrechen, statt zu reifen) philosophisch so schwer wiegen, argumentieren Denker wie John Hick, dass die irenäische Theodizee zwingend ein Leben nach dem Tod voraussetzt. zwingend ein Leben nach dem Tod voraussetzt.
Wenn die Schule der Seele auf der Erde nicht abgeschlossen werden konnte, muss der Reifeprozess – und damit der Weg zum Guten und zu Gott – im Jenseits für jeden Menschen weitergehen.Die These, dass der Reifeprozess und der Weg zu Gott im Jenseits für Menschen weitergehen kann, die ihn auf der Erde nicht abschließen konnten, wird in der Theologie oft als postmortale Bekehrung oder prozesshaftes Jenseitsgericht diskutiert.
Während die traditionelle Theologie betont, dass mit dem Tod alle Entscheidungen endgültig besiegelt sind, gibt es im Neuen Testament tatsächlich einige faszinierende Verse, die von Befürwortern dieser These (wie John Hick oder Allversöhnern) als Beleg angeführt werden.
Die wichtigsten biblischen Stützen für diesen Gedanken sind:
1. Das Predigen im Totenreich (Die stärksten Belegstellen)Der Apostel Petrus liefert im Neuen Testament die explizitesten Hinweise darauf, dass das Beziehungsangebot Gottes und die Verkündigung des Evangeliums nicht mit dem biologischen Tod enden.2. Das reinigende Feuer des Gerichts (Reifung durch Läuterung)Paulus beschreibt das göttliche Gericht an einer Stelle nicht als Vernichtung oder endgültige Verdammnis, sondern als einen schmerzhaften, aber rettenden Reinigungsprozess für eine unfertige Seele.
1. Korinther 3,13-15: „...eines jeden Werk wird offenbar werden; der Tag wird es ans Licht bringen, weil es im Feuer offenbart wird. [...] Wird jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“Die theologische Deutung: Selbst wenn das Lebenswerk eines Menschen fehlerhaft oder unvollständig war („verbrennt“), führt das Gericht nicht zum ewigen Tod, sondern zu einer schmerzhaften Läuterung, an deren Ende die Rettung steht. Das deckt sich exakt mit dem Bild der „Seelen-Schule“, die im Jenseits korrigiert wird.3. Das Kniebeugen im Totenreich (Freiwillige Anerkennung des Guten)In einem zentralen urchristlichen Hymnus beschreibt Paulus, dass am Ende der Zeiten alle Dimensionen der Schöpfung Jesus als den Herrn und damit das Gute anerkennen werden.Philipper 2,10-11: „...damit in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller Knie, derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist...“Die theologische Deutung: Die Formulierung „unter der Erde“ bezog sich im antiken Weltbild auf das Totenreich (den Hades). Wenn die Verstorbenen dort Jesus aus freien Stücken bekennen, setzt das voraus, dass in ihnen im Jenseits ein Erkenntnis- und Reifeprozess stattgefunden hat. Ein erzwungenes Lippenbekenntnis würde der Natur Gottes widersprechen.4. Das Gleichnis vom Weltgericht (Matthäus 25)Wie bereits zuvor erwähnt, zeigt das Gleichnis von den Schafen und Böcken (Matthäus 25,31-46) Menschen, die erst nach ihrem Tod im Gericht überhaupt begreifen, in welcher Beziehung sie zu Gott standen. Ihre Erkenntnis setzt erst im Jenseits ein. Zudem wird das dort genutzte Wort für die Strafe der Unreifen (kolasis) historisch im Griechischen für eine Züchtigung zur Besserung und Erziehung verwendet – was den Charakter einer fortgesetzten Schule unterstreichtWenn wir 1500 Jahre zurückgehen, landen wir im frühen 6. Jahrhundert (um das Jahr 526 n. Chr.). In dieser Epoche der Alten Kirche befand sich die Theologie mitten in einem dramatischen Umbruch genau zu der Frage, die wir besprochen haben: Geht die „Schule der Seele“ nach dem Tod weiter oder ist das Schicksal endgültig besiegelt?Die Praxis und das Denken der frühen Kirche in dieser Zeit zeigen, dass die Vorstellung von Reifung und Veränderung im Jenseits tief im Alltag der Christen verankert war.1. Das Gebet für die Verstorbenen (Die gelebte Praxis)Vor 1500 Jahren war es in der Liturgie der Kirche völlig selbstverständlich, intensiv für die Toten zu beten.Der Sinn der Gebete: Man betete nicht nur
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