Wann ist ein Wille frei, was ist ein freier Wille?
1.
Zunächst:
Ein Wille ist dann frei, wenn er durch ein Subjekt verursacht wird.
Wenn also ich es bin, der etwas will.
Im Umkehrschluss wäre ein Wille dann nicht frei, wenn nicht ich die Ursache meines Willens wäre, sondern jemand oder etwas anderes steuern würde, was ich will.
Wenn ich also eine Marionette an unsichtbaren Fäden hängend wäre.
Ein unverursachter, daher rein zufälliger Wille, der nicht auf mich selbst zurück geht, wäre nicht mein Wille und damit wäre die Bezeichnung „frei“ nicht zutreffend.
2.
Aber:
Ein Wille kann durch mich verursacht, aber indeterminiert oder determiniert sein.
Determiniert bedeutet, dass man, wenn man die Gründe des Wollenden kennen würde, den Willen eines Menschen vorhersagen könnte.
Indeterminiert bedeutet, dass es keine Gründe dafür gibt, warum jemand etwas will.
Ein solcher Wille wäre bedingt zufällig, geht daher auf mich zurück, ist aber nicht durch mein Selbst bedingt.
3.
Zusätzlich:
Wenn ich etwas will, aber an der Ausführung meines Willen gehindert werde, dann habe ich keine Handlungsfreiheit diesbezüglich.
Ein Beispiel wäre ein Kind, welches auf die Straße rennen will, aber von der Mutter aufgehalten wird – oder ein Verbrecher, dem man Handschellen anlegt.
4.
Folglich:
Ein indeterminierter Wille hätte zur Folge, dass man erstens selbst nicht einschätzen könnte, was man als nächstes will, und zum anderen, dass niemand anderes einschätzen könnte, was jemand will.
Ein determinierter Wille hätte zur Folge, dass man in etwa einschätzen kann, was man will, und dass andere Menschen in etwa einschätzen können, was man will.
5.
Probleme:
Wenn der Wille indeterminiert wäre, dann gäbe es so etwas wie Charakter oder Wesen nicht – niemand könnte einen anderen Menschen kennen und man würde sich selbst auch nicht kennen.
Jemanden kennen bedeutet hier nicht, dass man immer weiß, was jemand will, aber doch in etwa einschätzen kann, was jemand will und wie er sich verhalten wird.
Wenn der Wille determiniert ist, wie kann er dann trotzdem frei sein?
Dies erscheint zunächst widersprüchlich – ist es jedoch nicht, denn der Wille geht ja erstens auf mich selbst zurück und zweitens wird er bedingt durch meinen Charakter, daher durch bewusste und unbewusste Gründe meines Wollens.
6.
Unschärfe:
Der Mensch im Alltag handelt oft unbewusst oder nicht rational.
Wenn er unbewusst handelt, kann es sein, dass er seinen verinnerlichten Grundsätzen folgt, oder dass er durch etwas anderes – z.B. Propaganda, Werbung oder andere Manipulationen – beeinflusst ist.
Wenn er bewusst handelt, dann kann es trotzdem sein, dass er irrational handelt, wenn er daher unvernünftig ist.
Ebenso kann der Mensch durch seine Triebe, Schmerzen, Gefühle etc. beeinflusst sein.
Im Alltag ist der Mensch daher immer nur in einer Hinsicht frei, nämlich dahingehend, dass er keine völlig fremdgesteuerte Marionette ist.
Er ist aber nicht immer dahingehend frei, dass er nur das will, was seinem Charakter entspricht.
Es gibt hier also eine Unschärfe unseres Wollens, was dazu führt, dass es Abweichungen in unserem Verhalten gibt.